Poker Hände: Komplett-Guide 2026

Poker Hände: Komplett-Guide 2026

Autor: Poker Verstehen Redaktion

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Kategorie: Poker Hände

Zusammenfassung: Poker Hände verstehen und nutzen. Umfassender Guide mit Experten-Tipps und Praxis-Wissen.

Die Reihenfolge der Poker Hände bildet das fundamentale Regelwerk jeder Partie – wer sie nicht verinnerlicht hat, verschenkt von Beginn an Entscheidungsqualität und Geld. Von der einfachen High Card bis zum Royal Flush umfasst die klassische Hand-Hierarchie zehn distinkte Kombinationen, die in Texas Hold'em, Omaha und den meisten anderen Varianten identisch gewertet werden. Entscheidend ist dabei nicht nur das bloße Auswendiglernen der Reihenfolge, sondern das Verständnis für Wahrscheinlichkeiten: Ein Royal Flush tritt statistisch nur in etwa einer von 649.740 Händen auf, während Two Pair bereits in rund 4,75 % aller Fälle erscheint. Profis nutzen dieses Wissen, um Pot Odds präzise zu kalkulieren und in Millisekunden zu entscheiden, ob ein Draw das Investment rechtfertigt. Wer die Mechanik hinter den Kombinationen wirklich versteht, legt damit das Fundament für jede weiterführende Strategie – von Bluff-Frequenzen bis hin zur korrekten Bewertung von Outs am River.

Rangfolge der Pokerhände: Royal Flush bis High Card im Detail

Wer ernsthaft Poker spielen will, muss die Handrangfolge nicht nur auswendig kennen – er muss sie instinktiv abrufen können, ohne eine Sekunde nachzudenken. Entscheidungen am Tisch fallen in Sekunden, und wer in diesem Moment noch überlegt, ob ein Flush über einem Straight steht, verschenkt Geld. Die komplette Hierarchie der zehn Pokerblätter von der stärksten bis zur schwächsten Kombination bildet das Fundament jeder soliden Strategie.

Die Premium-Hände: Selten, aber spielentscheidend

Der Royal Flush – Ass, König, Dame, Bube, Zehn in derselben Farbe – ist die unschlagbare Höchsthand. Die statistische Wahrscheinlichkeit liegt bei etwa 1 zu 649.739, weshalb viele erfahrene Spieler ihn jahrelang nicht aus eigener Hand erleben. Der Straight Flush folgt direkt dahinter: fünf aufeinanderfolgende Karten einer Farbe, wobei 9-8-7-6-5 deutlich häufiger erscheint als die königliche Variante. Diese beiden Hände spielen sich fast von selbst – der Fokus liegt hier auf maximaler Wertschöpfung, also Slow Play oder gezieltem Aufbauen des Pots.

Der Four of a Kind (Vierling) ist die drittbeste Hand und im Alltag des No-Limit Texas Hold'em bereits eine absolute Ausnahme. Entscheidend ist hier der sogenannte Kicker: Haben zwei Spieler denselben Vierling – was am Board möglich ist – gewinnt die höchste Beikarte. Beim Full House gilt: Drei Asse mit zwei Königen schlägt drei Könige mit zwei Assen. Die Rangfolge richtet sich immer zuerst nach dem Drilling, nicht nach dem Paar.

Mittlere Hände: Wo die meisten Fehler passieren

Der Flush – fünf Karten derselben Farbe, nicht in Folge – verliert gegen ein Full House, aber das wird von Anfängern überraschend oft vergessen. Bei zwei Flushs gewinnt die Hand mit der höchsten Karte; ein Ass-High-Flush schlägt jeden anderen. Das Straight (Straße) deckt mit einer Wahrscheinlichkeit von rund 0,39% auf und ist besonders tückisch, weil Gegner es am Board oft nicht sofort lesen. Wer die spielentscheidenden Kombinationen im Hold'em wirklich beherrscht, erkennt dabei auch gefährliche Board-Texturen, die einem Straight-Draw des Gegners Vorschub leisten.

Der Three of a Kind (Drilling) liegt im Mittelfeld – stark genug, um den Pot aufzubauen, aber vulnerabel gegenüber Straights und Flushs. Beim Two Pair entscheidet zunächst das höhere Paar, dann das zweite, dann der Kicker. Zwei Asse und zwei Zweien schlagen zwei Könige und zwei Damen. Das einzelne Pair ist die häufigste gewinnende Hand im Showdown vieler Gelegenheitsrunden.

Am unteren Ende steht die High Card – keine der obigen Kombinationen wurde gebildet, der Pot geht an den Spieler mit der höchsten Einzelkarte. Ace-High gewinnt gegen King-High. Wer versteht, wie selten oder häufig jede dieser Hände statistisch erscheint, trifft bessere Entscheidungen in jedem einzelnen Pot.

  • Royal Flush: ~0,000154 % Wahrscheinlichkeit
  • Straight Flush: ~0,00139 %
  • Four of a Kind: ~0,0240 %
  • Full House: ~0,1441 %
  • Flush: ~0,1965 %
  • Straight: ~0,3925 %
  • Three of a Kind: ~2,1128 %
  • Two Pair: ~4,7539 %
  • One Pair: ~42,2569 %
  • High Card: ~50,1177 %

Wahrscheinlichkeiten und Odds: Wie oft erscheinen welche Pokerhände statistisch

Wer Poker wirklich versteht, denkt nicht in Karten, sondern in Wahrscheinlichkeiten. Das Standard-Deck mit 52 Karten erzeugt exakt 2.598.960 mögliche Fünf-Karten-Kombinationen – eine Zahl, die die Grundlage jeder Odds-Berechnung bildet. Die Verteilung dieser Kombinationen auf die verschiedenen Handkategorien erklärt, warum bestimmte Hände so viel wertvoller sind als andere: Sie sind schlicht seltener.

Absolute Häufigkeiten der klassischen Pokerhände

Ein Royal Flush tritt in exakt 4 von 2.598.960 Kombinationen auf – eine Wahrscheinlichkeit von 0,000154 Prozent. Den meisten Spielern begegnet er in ihrem Leben vielleicht zwei- oder dreimal. Der Straight Flush (ohne Royal) kommt auf 36 Kombinationen, ein Vierling auf 624. Bereits beim Full House sprechen wir von 3.744 möglichen Kombinationen, was die relative Häufigkeit im Spielalltag erklärt. Das Flush erscheint 5.108-mal, eine Straße 10.200-mal. Die mit Abstand häufigste Premiumhand ist Ein Paar mit über 1,09 Millionen Kombinationen – rund 42 Prozent aller möglichen Hände.

Besonders aufschlussreich ist der Vergleich zwischen Flush und Straße: Viele Anfänger überschätzen den Wert einer Straße, weil sie gefühlt schwer zu treffen scheint. Statistisch ist sie jedoch fast doppelt so häufig wie ein Flush, was die Rangfolge in der etablierten Hierarchie aller Pokerblätter direkt begründet.

Texas Hold'em: Wahrscheinlichkeiten über die Straßen hinweg

Im Texas Hold'em verändert sich die Rechnung fundamental, weil du aus sieben Karten (zwei Hole Cards, fünf Boardkarten) die beste Fünf-Karten-Hand bildest. Das erhöht die Trefferwahrscheinlichkeit für starke Hände spürbar. Die Chance, am Ende eine Hand mit mindestens einem Paar zu halten, liegt bei über 84 Prozent. Für mindestens Zwei Paare sind es noch rund 31 Prozent, für ein Set oder besser bereits unter 5 Prozent.

Konkret für die Praxis: Wenn du mit einem Pocket Pair in die Hand gehst, triffst du auf dem Flop ein Set mit exakt 11,8 Prozent Wahrscheinlichkeit – also etwa einmal in acht Versuchen. Wer das verinnerlicht hat, spielt Pocket Pairs strukturell anders und überschätzt ihren Wert nicht. Die korrekten Kombinationen im Texas Hold'em zu kennen ist dabei keine akademische Übung, sondern direkte Entscheidungsgrundlage am Tisch.

Einige Kennzahlen, die jeder ernstzunehmende Spieler auswendig kennen sollte:

  • Flush Draw auf dem Flop zum River: 35 Prozent (9 Outs × 4 Regel)
  • Open-Ended Straight Draw auf dem Flop: 31,5 Prozent
  • Set-over-Set-Situation: statistisch unter 1 Prozent, subjektiv fühlt sie sich häufiger an
  • Overcards gegen ein Pocket Pair: AK gegen JJ hat präflop etwa 43 Prozent Equity

Das Denken in Outs und Prozenten schützt vor dem häufigsten Fehler mittelmäßiger Spieler: dem Overcommitment mit schwachen Draws. Wer weiß, dass ein Gutshot-Straight-Draw auf dem Turn zum River nur 8,7 Prozent Chance hat, wird keine überdimensionierten Calls rechtfertigen – zumindest nicht ohne entsprechende Implied Odds.

Vor- und Nachteile beim Spielen von Pokerhänden

Vorteile Nachteile
Ermöglicht strategisches Denken und Planung Kann zu Stress und emotionalem Druck führen
Potenzial für hohe Gewinne Risiko von Geldverlusten
Fördert soziale Interaktion und Networking Kann zu Spielsucht führen
Bietet Herausforderungen und geistige Stimulation Dauerhaftes Lernen und Anpassung erforderlich
Vielfältigkeit der Spielvarianten Strenge Regeln und Etikette müssen beachtet werden

Hole Cards als Ausgangspunkt: Starke Starthände erkennen und bewerten

Bevor der Flop auch nur eine Karte enthüllt, entscheidet sich ein Großteil deines Erfolgs am Pokertisch. Die zwei privaten Karten, die nur du siehst, definieren deinen Handlungsspielraum für die gesamte Hand. Profis sprechen hier von einer klaren Hierarchie: Nicht jede spielbare Hand ist gleich stark, und wer diese Abstufungen nicht verinnerlicht hat, zahlt langfristig einen hohen Preis in Form von unnötigen Verlusten.

Premium-Hände und ihre realen Gewinnwahrscheinlichkeiten

Pocket Aces (AA) gewinnen im Heads-Up gegen eine zufällige gegnerische Hand etwa 85% der Zeit – ein Wert, der zwar beeindruckend klingt, aber auch zeigt: Selbst die beste Starthand verliert regelmäßig. Pocket Kings (KK) kommen auf rund 82%, Pocket Queens (QQ) auf etwa 80%. Diese drei Hände bilden die erste Kategorie, bei der Raise und Re-Raise vor dem Flop in fast jeder Situation korrekt sind. Ace-King suited (AKs) verdient eine eigene Betrachtung: Mit etwa 67% Gewinnwahrscheinlichkeit gegen eine zufällige Hand handelt es sich um ein starkes Drawing-Hand-Hybrid, das im Mehrwege-Pot aber erheblich an Wert verliert.

Die zweite Kategorie umfasst mittlere Paare und starke Broadway-Hände: JJ, TT, AQs, AJs und KQs. Diese Hände spielst du abhängig von Position, Stack-Tiefe und der Tendenz deiner Gegner. Ein Pocket-Ten-Hand verliert seinen Wert dramatisch, wenn drei Spieler bereits eingezahlt haben und du Out-of-Position agierst. Hier beginnt situatives Denken, handwerkliches Wissen zu ersetzen.

Die Rolle von Position und Suitedness

Zwei Faktoren verändern den Wert jeder Starthand fundamental: Position und Suitedness. Eine Hand wie 7-8 suited auf dem Button gegen drei Limper hat einen positiven Expected Value, dieselbe Hand Under the Gun in einem tight-aggressiven Spiel nicht. Suitedness erhöht den Wert einer Hand um etwa 2-4% in Gewinnwahrscheinlichkeit, relevanter ist jedoch die Flush-Draw-Equity, die entsteht, wenn du zwei Karten derselben Farbe hältst. Diese Equity lässt sich in größeren Pots extrahieren – ein Mechanismus, den Recreational Players systematisch unterschätzen.

Beim Aufbau eines soliden Starthand-Repertoires hilft es, die Kombinationen zu verstehen, die aus deinen Hole Cards entstehen können. Wer weiß, dass AKs in 35% aller Fälle ein Pair oder besser bis zum River trifft, bewertet Pre-Flop-Entscheidungen realistischer. Konkret bedeutet das: AK missed den Flop in zwei von drei Fällen – eine Tatsache, die viele Spieler zu aggressiven Continuation Bets verleitet, ohne die Boardtextur zu analysieren.

  • Premium Tier (spielbar aus jeder Position): AA, KK, QQ, AKs, AKo
  • Strong Tier (positionsabhängig): JJ, TT, AQs, AJs, KQs
  • Speculative Hands (nur in Position und mit Implied Odds): Suited Connectors (65s–JTs), kleine Paare (22–66)

Der entscheidende Fehler der meisten Mittelspieler: Sie bewerten Starthände statisch. Eine Hand wie 99 gegen einen Nit, der 3-bet, verliert dramatisch an Wert – gegen denselben Spieler im Limped Pot dagegen ist sie profitabel zu spielen. Starthand-Bewertung ist immer kontextuell, nie absolut.

Drawing Hands vs. Made Hands: Strategische Unterschiede im Spielverlauf

Der fundamentale Unterschied zwischen Drawing Hands und Made Hands bestimmt nicht nur deine Betting-Strategie, sondern auch deine gesamte Spielpsychologie in einer Hand. Eine Made Hand hat bereits einen vollständigen, wertigen Pokerkombination erreicht – etwa ein Set, Two Pair oder ein Straight. Eine Drawing Hand hingegen ist noch unfertig und braucht spezifische Karten auf Turn oder River, um ihr Potenzial zu entfalten. Wer beide Kategorien nicht klar trennt, zahlt langfristig teures Schulgeld.

Die Mathematik hinter Drawing Hands

Beim Flop-Play mit einem Flush Draw (9 Outs) hast du etwa 35% Chance, deinen Draw bis zum River zu treffen – ein Wert, der viele Anfänger überrascht. Mit einem Open-Ended Straight Draw (8 Outs) liegen die Odds bei rund 31,5%. Diese Zahlen bilden die Grundlage für korrekte Pot-Odds-Berechnungen: Wenn der Pot 100€ beträgt und dein Gegner 25€ setzt, bekommst du 5:1 auf deinen Call – bei einem Flush Draw mit Flop-to-River-Odds von etwa 2:1 ist das ein klarer Gewinnplay. Wer die zugrundeliegenden Hand-Kombinationen in Texas Hold'em versteht, kann diese Berechnungen intuitiv und schnell durchführen.

Entscheidend ist das Konzept der Implied Odds bei Drawing Hands: Wenn du deinen Draw triffst, wie viel kannst du dann noch vom Gegner gewinnen? Ein Flush Draw gegen einen Gegner mit einem starken Top Pair auf einem trockenem Board hat enorme Implied Odds – dein Gegner wird dir auf dem River Action geben, weil er sein gutes Blatt nicht loslassen kann. Bei einem Gut-Shot Straight Draw (4 Outs, ca. 17% Wahrscheinlichkeit) hingegen müssen die Implied Odds außergewöhnlich hoch sein, um einen Call zu rechtfertigen.

Made Hands richtig spielen: Value vs. Protection

Mit einer Made Hand stehst du vor einer anderen strategischen Frage: Willst du Value extrahieren oder deine Hand schützen? Ein Set auf einem Draw-schweren Board – beispielsweise 7♥8♥9♦ – erfordert aggression, weil du gegen Draws Equity schützen musst. Auf einem trockenen Board wie A♠7♦2♣ kannst du mit Two Pair oder einem Set häufig kleinere Bets verwenden, um Bluffs oder schwächere Paare zu holen. Das Verständnis, wie die verschiedenen Pokerblätter gegeneinander abschneiden, ist dabei unerlässlich.

Ein häufiger Fehler: Spieler mit Made Hands überbet auf Draw-lastigen Boards aus Angst, checken aber auf Safe-Turns, wodurch sie ihr Bet-Sizing inkonsistent und leicht lesbar machen. Die bessere Linie ist oft ein konsistentes, polarisiertes Sizing über alle Straßen. Wenn der Draw-Card kommt, zeige Stärke durch Continuation Bets – gib dem Gegner keine günstige Showdown-Möglichkeit.

  • Semi-Bluff mit Drawing Hands: Kombination aus Fold Equity und Draw-Equity macht Raises profitabel
  • Slow-Play Made Hands: Nur sinnvoll auf sicheren Boards mit hoher Wahrscheinlichkeit, dass der Gegner später Stärke entwickelt
  • Drawing gegen Drawing: Auf koordinierten Boards können zwei Spieler mit Draws gegeneinander massive Pots aufbauen – prüfe stets, ob du die Nut Draw-Variante hältst

Die richtige Lesearbeit beginnt bereits vor dem Flop. Deine Starthand-Qualität bestimmt, welche Art von Drawing oder Made Hand du auf dem Flop realistisch entwickeln kannst. Suited Connectors wie 8♠9♠ bieten das klassische Draw-Potenzial, während Premiumhände wie A-A oder K-K meist als Made Hand in die Post-Flop-Situationen eingehen – mit ganz anderen strategischen Anforderungen.

Board-Textur und Handstärke: Wie das Community Board deine Hand verändert

Zwei Asse in der Hand zu halten fühlt sich stark an – bis das Board K♠ Q♠ J♠ zeigt und dein Gegner plötzlich wie festgeklebt wirkt. Eine Hand existiert nie im Vakuum. Ihre tatsächliche Stärke entsteht erst im Dialog mit den Community Cards, und genau dieses Zusammenspiel trennt durchschnittliche Spieler von echten Gewinnern. Wer seine Starthand richtig einordnen kann, hat die Basis – aber die Board-Textur bestimmt, wie viel diese Basis wert ist.

Dry Boards vs. Wet Boards: Zwei völlig verschiedene Welten

Ein Dry Board wie K♣ 7♦ 2♥ ist eine ruhige Straße. Flushs sind unmöglich, Straßen kaum realistisch, und wer hier ein Top Pair mit guter Kicker hält, besitzt meistens die Kontrolle über den Pot. Auf solchen Boards kannst du deine mittelstarken Hände aggressiver vertreten, weil die Zahl möglicher Gegner-Kombinationen, die dich schlagen, begrenzt ist. Ein Bet von 60-70% des Pots setzt Gegner effektiv unter Druck, ohne dich selbst in schwierige Situationen zu manövrieren.

Ein Wet Board hingegen – etwa J♥ T♥ 9♣ – verändert alles. Hier können Gegner gleichzeitig Straßen-Draws, Flush-Draws, Zwei-Paar-Kombinationen und bereits fertige Straßen halten. Auf solchen Boards verliert selbst ein starkes Top Pair gegen das Feld massiv an Wert. Die Faustformel: Je mehr Draw-Möglichkeiten ein Board bietet, desto teurer wird es, mit mittleren Hände Showdowns zu erzwingen.

Wie Turn und River die Textur vollständig umschreiben

Boards entwickeln sich dynamisch. Ein zunächst harmloses 8♠ 5♣ 2♦ verwandelt sich mit einem Turn von 7♠ schlagartig: Straßen-Draws von 6-4, 9-6 und 4-3 werden plötzlich realistisch, und Connected Boards mit kleinen Karten bedienen genau jene Hand-Range, mit der viele Gegner aus den Blinds oder im Limpen einsteigen. Ein Flush-Completing River – etwa wenn nach zwei Herz auf dem Board ein drittes fällt – sollte dich grundsätzlich dazu bringen, deine Bet-Frequenz zu überdenken, selbst wenn du das Nuts-Potential nicht besitzt.

Besonders heimtückisch sind Pairing Boards. Wenn eine Board-Karte ein Paar bildet, zum Beispiel A♦ K♠ K♣, sinkt der Wert deiner Two-Pair-Hands oder Straights drastisch, weil Full Houses für Gegner mit einem König plötzlich in Reichweite kommen. Das ist kein theoretisches Konstrukt – in der Praxis sieht man regelmäßig, wie Spieler ihre Straße auf gepaarten Boards wertlos ins Feuer bet-en.

Um Board-Texturen wirklich zu durchdringen, hilft es, die möglichen gegnerischen Handkombinationen systematisch durchzugehen, die ein bestimmtes Board konstruktiv bedienen könnten. Konkret bedeutet das: Beim Blick auf T♦ 8♦ 6♣ zählst du innerlich Kombinationen wie 9-7 (16 Möglichkeiten), 7-5 (16 Möglichkeiten) und Flush-Draws (ca. 9 Outs) durch, bevor du einen Sizing-Entscheid triffst.

  • Monotone Boards (drei Karten der gleichen Farbe) reduzieren deine Bluff-Frequenz und erfordern Nut-Flush-Schutz im eigenen Calling-Range
  • Broadway-Boards wie A-K-Q verbessern Gegner-Ranges aus frühen Positionen überproportional stark
  • Low Connected Boards bedienen vorwiegend Blind-Ranges – wer aus früher Position raised, trifft solche Boards strukturell schlechter
  • Ace-High Dry Boards gehören häufig dem Preflop-Aggressor, weil Continuation Bets hier die höchste Fold Equity generieren

Pokerhände im Mehrwege-Pot: Bewertung und Risiken bei mehreren Gegnern

Heads-up gegen einen einzigen Gegner zu spielen ist eine völlig andere Disziplin als das Navigieren in einem Mehrwege-Pot mit drei, vier oder fünf aktiven Spielern. Der fundamentale Fehler vieler mittelmäßiger Spieler: Sie bewerten ihre Hand nach absolutem Stärkewert, ohne die Pot-Equity-Verteilung bei mehreren Gegnern zu berücksichtigen. Ein Top-Pair mit guter Kicker schlägt einen Einzelgegner in rund 70% der Fälle – gegen drei Gegner kann dieselbe Hand strukturell zur Underdog-Hand werden.

Das Grundprinzip lautet: Mit jedem zusätzlichen Gegner steigt die statistische Wahrscheinlichkeit, dass jemand am Tisch eine stärkere Hand hält oder einen stärkeren Draw verfolgt. Wer die vollständige Hierarchie aller Pokerblätter von Royal Flush bis High Card kennt, versteht sofort, warum Top-Pair in einem Fünfwege-Pot auf einem nassen Board kaum mehr als 30% Equity hält.

Welche Hände gewinnen an Wert, welche verlieren?

Nicht alle Hände skalieren gleich mit der Anzahl der Gegner. Starke Made Hands wie Sets, Straights und Flushes gewinnen in Mehrwege-Pots überproportional an Wert – nicht weil die Hand stärker wird, sondern weil mehr Spieler bereit sind, Chips in den Pot zu investieren. Ein flopped Set generiert in einem Vierwege-Pot im Schnitt deutlich mehr EV als im Heads-up, vorausgesetzt das Board bleibt nicht zu gefährlich.

Umgekehrt verlieren schwache Made Hands und vulnerable Draws massiv. Ein Gut Shot Straight Draw (vier Outs) hat heads-up bereits schwache Equity; gegen drei Gegner sinkt der erwartete Gewinn zusätzlich, weil oft jemand einen besseren Draw oder bereits eine stärkere Made Hand hält. Das Wissen um die häufigsten texanischen Hold'em-Kombinationen und ihre Wahrscheinlichkeiten hilft dabei, diese Situationen in Echtzeit richtig einzuordnen.

  • Gewinnen Wert: Flopped Sets, Nut Flushes, Full Houses, Top Two Pair auf trockenen Boards
  • Verlieren Wert: Overpairs (AA, KK) auf nassen, koordinierten Boards
  • Besonders gefährlich: TPTK (Top Pair Top Kicker) auf dreifarbigen Boards mit vielen Verbindungskarten
  • Nut Draws steigen: Flush Draws mit Backdoor-Equity und kombinierte Draws (über 12 Outs) skalieren positiv

Bet Sizing und Schutz in Mehrwege-Pots

In Mehrwege-Pots erfordert der Schutz starker Hände aggressiveres Bet Sizing. Als Faustregel gilt: Auf dem Flop in einem Dreiwege-Pot sollte eine Continuation Bet mindestens 60–75% des Pots betragen, um Draws mit schlechten Odds aus dem Pot zu drängen. Kleinere Bets – etwa 33% oder weniger – laden Gegner geradezu ein, profitabel zu callen, wenn zwei oder drei Spieler hinter dir noch handeln müssen.

Besonders kritisch: die eigene Positionsschwäche in Mehrwege-Pots. Wer Out of Position gegen drei Gegner spielt, hat drastisch reduzierte Informationsvorteile. In solchen Situationen lohnt es sich, die Ausgangsstärke bereits preflop zu erhöhen – die richtige Auswahl der Starthand entscheidet maßgeblich darüber, wie spielbar und profitabel eine Hand in Mehrwege-Pots überhaupt wird. Hände wie suited Connectors und kleine Paare entfalten ihren Wert erst durch Implied Odds, die in Mehrwege-Pots durch die erhöhte Stacktiefe und Aktionsdichte tatsächlich realisierbar sind.